Biologische Wertigkeit von Protein: Tabelle, Formel & clevere Kombinationen

AutorPulsus Fit Team
Aktualisiert11.08.2026
Lesezeit4 Min.
Hochwertige Proteinquellen und ein Ei als Referenz für biologische Wertigkeit

Die biologische Wertigkeit zeigt, wie gut dein Körper ein Nahrungsprotein in körpereigenes Protein umwandeln kann. Hier bekommst du die Definition, die Formel, eine große Tabelle (inklusive Protein pro 100 g), die cleversten Kombinationen zum Aufwerten, und die moderne DIAAS-Methode, die die klassische Wertigkeit ablöst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die biologische Wertigkeit misst, wie gut dein Körper ein Nahrungsprotein in körpereigenes Eiweiß umwandeln kann, Referenz ist das Vollei mit dem Wert 100.
  • Tierische Quellen liegen meist höher (Whey rund 104), pflanzliche niedriger.
  • Clevere Kombinationen wie Ei mit Kartoffel erreichen Werte um 137.
  • Für den Muskelaufbau zählt am Ende vor allem die tägliche Gesamt-Proteinmenge.
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Was ist die biologische Wertigkeit?

Die biologische Wertigkeit (BW) gibt an, wie viel körpereigenes Protein dein Körper aus 100 g eines Nahrungsproteins bilden kann. Je ähnlicher das Aminosäureprofil eines Lebensmittels dem menschlichen ist, desto höher die Wertigkeit. Als Referenz dient das Hühnerei mit dem Wert 100, Werte darüber (wie bei Whey) sind möglich.

Wie wird die biologische Wertigkeit gemessen?

Die klassische Bestimmung erfolgt über die Stickstoffbilanz: Man misst, wie viel des aufgenommenen Nahrungs-Stickstoffs im Körper zurückgehalten (retiniert) wird.

Formel BW = (im Körper zurückgehaltener Stickstoff ÷ resorbierter Stickstoff) × 100

Der Wert sagt etwas über die Qualität eines Proteins aus, aber nichts über die Menge an Protein im Lebensmittel. Deshalb schauen wir uns beides zusammen an.

BW-Tabelle: Lebensmittel im Überblick

Biologische Wertigkeit und Proteingehalt pro 100 g, Werte sind Richtwerte (ca., je nach Quelle):

Lebensmittel Biol. Wertigkeit Protein/100 g
Vollei 100 ~13 g
Rindfleisch ~92 ~22 g
Kuhmilch ~88 ~3,4 g
Sojabohne ~84 bis 86 ~34 g
Thunfisch ~83 ~24 g
Reis ~81 ~2,7 g (gek.)
Kartoffel ~76 (Quellen bis 98) ~2 g
Bohnen ~72 ~7 g (gek.)
Hafer ~60 ~13 g
Linsen ~50 bis 60 ~9 g (gek.)

Mehr dazu, welche Lebensmittel wie viel Protein liefern, im Guide Proteinreiche Lebensmittel.

Biologische Wertigkeit von Proteinpulvern

Supplements haben durchweg einen hohen Proteingehalt (~70 bis 90 g/100 g), hier zählt vor allem die Wertigkeit:

Proteinquelle Biol. Wertigkeit (ca.)
Whey / Molkenprotein ~104 bis 110
Vollei 100
Casein ~77
Sojaprotein ~84 bis 86
Erbsen- oder Reisprotein niedriger (im Blend aufwertbar)

Warum Whey so hoch liegt und wie sich Clear Whey, Casein und pflanzliche Proteine unterscheiden, liest du in Clear Whey vs. Whey, Whey vs. Casein und Whey vs. veganes Protein.

Tierisches vs. pflanzliches Eiweiß

Tierische Proteine liegen meist höher, weil ihr Aminosäureprofil dem menschlichen ähnelt und alle essenziellen Aminosäuren in gutem Verhältnis enthält. Pflanzliche Proteine sind oft in einzelnen Aminosäuren limitiert (z. B. Getreide bei Lysin, Hülsenfrüchte bei Methionin), lassen sich aber durch Kombination stark aufwerten.

Biologische Wertigkeit aufwerten: clever kombinieren

Der stärkste Hebel: zwei Proteinquellen mit sich ergänzenden Aminosäureprofilen mischen (Ergänzungswert). So entstehen Werte weit über 100, teils höher als jede Einzelquelle:

Kombination Biol. Wertigkeit (ca.)
35 % Ei + 65 % Kartoffel ~137
70 % Whey + 30 % Kartoffel ~134
75 % Milch + 25 % Weizenmehl ~125
60 % Ei + 40 % Soja ~123
68 % Ei + 32 % Weizen ~120
52 % Bohnen + 48 % Mais ~101
Alltagstauglich Du musst nicht rechnen, die Klassiker liefern die Kombination automatisch: Kartoffeln mit Ei, Müsli mit Milch, Bohnen mit Reis oder Mais, Vollkornbrot mit Käse.

Einfluss der Zubereitung

Auch die Zubereitung wirkt: Moderates Erhitzen macht Protein oft besser verdaulich, zu starkes Erhitzen kann jedoch über die Maillard-Reaktion die Verfügbarkeit von Aminosäuren (v. a. Lysin) senken. Schonende Zubereitung erhält die Wertigkeit am besten.

DIAAS und PDCAAS: die modernen Maßstäbe

Die biologische Wertigkeit ist ein Klassiker (Kofrányi und Müller-Wecker, 1961), gilt heute aber als teils veraltet. FAO/WHO bevorzugen inzwischen den DIAAS (Digestible Indispensable Amino Acid Score), der die tatsächliche Verdaulichkeit jeder einzelnen Aminosäure misst. Der ältere PDCAAS ist bei 1,0 (100 %) gedeckelt, während DIAAS auch Werte über 1,0 zulässt.

DIAAS-Richtwerte (ca., je nach Quelle): Whey-Isolat ~1,0 bis 1,2, Milch oder Casein ~1,1, Soja-Isolat ~0,9, Erbse ~0,6 bis 0,8, Reis ~0,4. Tierische Proteine schneiden also auch hier meist besser ab, die Aussage bleibt dieselbe wie bei der BW.

Was zählt für den Muskelaufbau wirklich?

Die Wertigkeit ist nützlich zur Orientierung, aber kein Selbstzweck. Entscheidend sind in der Praxis:

  • Gesamt-Proteinmenge: 0,8 g/kg als Minimum (DGE), 1,4 bis 2,0 g/kg bei Sport oder Muskelaufbau.
  • Vollständiges Aminosäureprofil mit genug Leucin pro Mahlzeit.
  • Verteilung auf mehrere Mahlzeiten.

Wer abwechslungsreich isst und genug Protein aufnimmt, muss sich um die Wertigkeit einzelner Mahlzeiten kaum sorgen. Deinen Bedarf rechnest du im Proteinbedarf-Rechner aus; mehr im Guide Protein für Muskelaufbau.

Quellen

  • Kofrányi und Müller-Wecker (1961): klassische Bestimmung der biologischen Wertigkeit und Kombinationen.
  • FAO (2013): Dietary Protein Quality Evaluation (DIAAS).
  • Morton et al. (2018): Meta-Analyse Proteinsupplementierung, British Journal of Sports Medicine.
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte für die Proteinzufuhr.

Fazit

Die biologische Wertigkeit ist ein guter Orientierungswert für die Proteinqualität, fachlich löst der DIAAS sie zunehmend ab. Wichtiger als die Wertigkeit einer einzelnen Mahlzeit ist deine gesamte tägliche Proteinmenge samt vollständigem Aminosäureprofil. Wer abwechslungsreich isst und genug Eiweiß aufnimmt, ist auf der sicheren Seite.

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Häufige Fragen

Was bedeutet biologische Wertigkeit einfach erklärt?

Sie zeigt, wie gut dein Körper ein Nahrungsprotein in körpereigenes Protein umwandeln kann. Referenz ist das Vollei mit dem Wert 100.

Welches Lebensmittel hat die höchste biologische Wertigkeit?

Unter Einzelquellen liegt Molkenprotein (Whey) mit rund 104 bis 110 vorn. Durch Kombinationen wie Ei mit Kartoffel (rund 137) sind noch höhere Werte möglich.

Kann die biologische Wertigkeit über 100 liegen?

Ja. 100 ist nur der Referenzwert des Volleis, Whey und clevere Kombinationen liegen darüber.

Wie werte ich pflanzliches Protein auf?

Durch Kombination sich ergänzender Quellen, zum Beispiel Getreide mit Hülsenfrüchten oder Kartoffel mit Ei oder Milch.

Ist die biologische Wertigkeit noch aktuell?

Als Orientierung ja, fachlich wird sie aber zunehmend vom DIAAS (FAO/WHO) abgelöst, der die Verdaulichkeit genauer misst.

Zählt für den Muskelaufbau die Wertigkeit oder die Menge?

Beides, aber die tägliche Gesamt-Proteinmenge ist der wichtigere Hebel als die Wertigkeit einer einzelnen Mahlzeit.

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Angaben zu Nährstoffen richten sich nach den zugelassenen Aussagen; individuelle Ergebnisse können abweichen.

PF
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